Zurück zur Startseite
1918 / 1919: Es geschah vor 90 Jahren ...

Vor 90 Jahren nahmen die dramatischen Ereignisse, die schließlich zur Abtrennung der Untersteiermark durch den Friedensvertrag von Saint-Germain führten, ihren Lauf. Auch ein Rückblick auf das Jahr 1917 sei in diesem Zusammenhang gestattet.
 
30. Mai.1917 Maideklaration der slowenischen Reichsratsabgeordneten (Forderung nach einem autonomen Staat der Slowenen, Kroaten und Serben in der Habsburger-Monarchie)
20. Juli.1917 Deklaration von Korfu (gemeinsamer Staat aller Südslawen mit dem Königreich Serbien)
8. Jänner 1918 Verkündung der  "14 Punkte" des amerikanischen Präsidenten Wilson; Punkt 10 forderte eine "freie autonome Entwicklung der Völker der Donaumonarchie"
25. Mai 1918 Vorsprache von Abordnungen aus der Untersteiermark bei Kaiser Karl gegen Errichtung eines südslawischen Staates
26. Sept. 1918  Konstitution eines slowenischen Volksrates in Marburg (als Sektion des Volksrates für Slowenien und Istrien in Laibach)
12. Okt. 1918 Forderung des slowenischen "Volksrates" in Laibach nach Anschluß der Untersteiermark
16. Okt. 1918 Manifest Kaiser Karl zur Bildung eines Bundesstaates selbständiger Nationalitäten
21. Okt. 1918 Konstituierende Sitzung der provisorischen Nationalversammlung für "Deutsch-Österreich"
29. Okt. 1918 Gründung des Staates der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS) in Agram und Ausscheiden aus der  Habsburger-Monarchie
1. Nov. 1918 Major Rudolf Maister bemächtigt sich des Stationskommandos in Marburg und läßt sich durch den slowenischen Volksrat in Laibach zum Generalmajor befördern 
3. Nov. 1918 Der Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und Italien beendet für die Habsburger-Monarchie den 1. Weltkrieg
18. Nov. 1918 General Maister verstärkt seine Truppen durch das Aufgebot von 22 Jahrgängen aus der Untersteiermark.
23. Nov. 1918 Auflösung der deutschen Schutzwehr (gegründet am 3. Nov. 1918) und Entwaffnung des Bereitschaftszuges; der Bereitschaftskommandant Leutnant Gugl erhält einen Bauchschuß, an dem er am 5. Dezember 1918 verstirbt
Dezember 1918 Rasche Besetzung der Untersteiermark einschließlich Radkersburgs durch die Truppen General Maisters
29. Nov. 1918 Streik der Marburger Eisenbahnbediensteten aus sozialen und nationalen Gründen. Nach einem verheerenden "Kompromiß" (13.12.) Entlassung der meisten deutschen Eisenbahner wegen "Illoyalität" oder mangelnder Slowenischkenntnisse.
1. Dez. 1918 Jugoslawische Soldaten besetzen Radkersburg und in den folgenden Tagen alle Orte der Bahnlinie Spielfeld - Radkersburg
16. Dez. 1918 Verordnung der Regierung in Laibach über sofortiger Entlassung aller Staatsbeamten deutscher Nationalität
31. Dez. 1918 General Maister läßt in Marburg angesehene Bürger als Geiseln ausheben
2. Jan. 1919 Auflösung des deutschen Gemeinderats von Marburg unter Bürgermeister Schmiderer. Übernahme der Gemeindeverwaltung durch den Bezirkskommissär Dr. Vilko Pfeifer
3. Jan. 1919 Vollzugsanweisung des "Deutsch-österreichischen Staatsrates": Die nördlichen untersteirischen Gerichtsbezirke Mahrenberg, Marburg, St.Leonhard, Pettau und Radkersburg werden als Bestandteil des österreichischen Staatsgebietes erklärt
14. Jan. 1919 Gefecht bei Leutschach (seit Ende Dezember 1918 slowenisch besetzt)
18. Jan. 1919 Beginn der Friedenskonferenz in Paris - St. Germain
20. Jan. 1919 Erkundungsfahrt des amerikanischen Oberstleutnant Miles nach Radkersburg, Mureck und Marburg
27. Jan. 1919 "Marburger Bluttag": Kundgebung von über 10.000 Deutschen auf dem Hauptplatz für den Verbleib bei Deutsch-Österreich, anläßlich des Besuchs des amerikanischen Abgesandten Obstlt. Miles bei General Maister. Jugoslawische Soldaten schießen in Menge, es gibt 13 Tote und 60 Verwundete.
4. Feb. 1919 Bittschrift von 631 Bürgern von Gutenstein im Mießtal gegen die Abtrennung von Deutsch-Österreich
4. Feb. 1919 Unternehmen des Oberleutnant Hans Mickl zur Befreiung von Radkersburg. Der Angriff der Freischar wird jedoch mit Verlusten zurückgeschlagen. Am gleichen Tag durchgeführte Aktionen zur Vertreibung der Jugoslawen aus Halbenrain und Purkla sind hingegen erfolgreich.
5. Feb. 1919 Spontan gebildete Bauern-Heimwehren vertreiben auch die jugoslawische Besatzung aus Gosdorf. Auf die Befreiung Murecks mußte wegen der dort von den Jugoslawen ausgehobenen Geiseln verzichtet werden, 
5. Feb. 1919 Ausdehnung der serbischen Gesetze 1915/16 zur Sequestration (Zwangsverwaltung) des Vermögens von Untertanen feindlicher Staaten auf das gesamte Gebiet des Königreiches SHS (und damit auch auf die Untersteiermark)
8. Feb. 1919 Slowenischer Reiterspähtrupp im Abstaller Feld von Heimkehrern entwaffnet
13. Feb. 1919 Das "Marburger Abkommen" zur Beendigung der Grenzkämpfe im Murtal legt eine Demarkationslinie 6 km nördlich der Sprachgrenze fest.
16. Feb. 1919 Wahlen für die konstituierende Nationalversammlung der Republik Deutschösterreich. Die Wahlen können in den untersteirischen Gebieten und in manchen durch die Grenzkämpfe betroffenen Gemeinden nicht durchgeführt werden.
18. Feb. 1919 Jugoslawische Gebietsforderungen in Paris vorgelegt: Kanaltal, unteres Gailtal, größter Teil des Klagenfurter Beckens mit Klagenfurt und Villach, unterstes Lavanttal, steirisches Drautal, Abstaller Feld, Radkersburger Gebiet
21. Feb. 1919 In der Soboth wird ein slowenischer Gendarmerieposten eingerichtet. Dieser wird in der Folge durch Heimkehrer ausgehoben.
2. März 1919 Beginn der Beratungen der Gebietskommission über Grenzziehung zwischen Jugoslawien und Österreich
12. März 1919 St. Jakob in der Soboth wird trotz tapferer Abwehr durch übermächtiges slowenisches Miltär erobert.
6. April 1919 Vorschlag der Gebietskommission an den "Obersten Rat" in Paris: Marburger Becken an Jugoslawien, Klagenfurter Becken nach "Befragung" an Österreich.
29. April 1919 Bruch des Waffenstillstandes in Kärnten durch Jugoslawien
8. Mai 1919 Ganz Kärnten vom slowenischen Militär befreit. Kärntner Abwehrkämpfer stehen bereits in Windischgraz und Hohenmauthen. Die Steiermärkische Landesregierung kann sich aber nicht entscheiden, wenigstens das Drautal zu befreien.
Die Furcht der Südslawen vor einem weiteren Vormarsch führt sogar zur Geiselnahme von 10 angesehenen deutschen Bürgern in Cilli, darunter der frühere Stadtamtsvorstand Dr. Otto Ambroschitz. Er wurde nach Laibach transportiert, wo der schwer Herzleidende im Gefängnis verstarb.
10. Mai 1919 Laibacher Verordnung (vom 16.12.1918) über sofortiger Entlassung aller Staatsbeamten deutscher Nationalität auf Landes-, Kreis-, Bezirks- und Gemeindebedienstete ausgedehnt. Dies betraf auch die Ärzte von Krankenanstalten; in der Folge kam es zu Abwanderung und zu Ausweisungen.
28. Mai 1919 Jugoslawischer Großangriff in Kärnten, führt schließlich zur Besetzung des umstrittenen Gebietes einschließlich Klagenfurts.
2. Juni 1919 Vorlage der Pariser Friedensbedingungen an Österreich ("Friedensdiktat"): Untersteiermark einschließlich der ganzen Bahnlinie Spielfeld - Radkersburg und des gesamten Radkersburger Becken an Jugoslawien 
13. Juni 1919 Steirischer Landtag fordert Volksabstimmung in den strittigen Gebieten
16. Juni 1919 Denkschrift über die Grenzen Deutschösterreichs: geographische Grenze Bachernmassiv und seine südöstlichen Ausläufer, eindringlicher Wunsch nach Volksabstimmung
6. Aug. 1919 "Bemerkungen der deutschösterreichischen Friedensdelegation zur Gesamtheit der Friedensbedingungen mit Deutsch-Österreich", Verzicht auf Volksabstimmung im Bezirk Pettau, Dringen auf Volksabstimmung in den verbleibenden Becken von Marburg und Radkersburg
25. Aug. 1919 Konferenz der Delegationsführer: Beschluß, die Abstimmungszone in Kärnten auf Marburg und Radkersburg auszudehnen (Gegenstimme der Franzosen)
27. Aug. 1919 Abstimmung in der Untersteiermark fallen gelassen, Rückkehr auf Bedingungen vom 2.Juni (ohne Zustimmung der Italiener
29. Aug. 1919 Radkersburg und Eisenbahnlinie Spielfeld-Radkersburg zu Österreich (entschlossene Fürsprache von Coolidge und Tittoni - Italien)
10. Sept. 1919 Unterzeichnung des Friedensvertrages von Saint-Germain: Neben Südtirol, Südböhmen, Südmähren und den Sudetengebieten wurde auch die gesamte Untersteiermark ohne Volksabstimmung abgetrennt. Sogar das direkt an Österreich angrenzende deutsch besiedelte Abstallerfeld ging verloren.
Am gleichen Tag mußte das Königreich SHS einen Minderheitenschutzvertrag mit den Alliierten unterzeichnen. Dieser Vertrag wurde aber in Slowenien de facto nicht umgesetzt.